Wilhelm-Busch-Schule
Städtische Gemeinschaftsgrundschule Ratingen-Hösel
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Bewegungsraum

 Vorbereitung auf ein Lernwörterdiktat im Bewegungsraum

Eine Lesestunde im Bewegungsraum

... viel mehr als "nur" Lesen

 

Bewegung mit dem ganzen Körper, bewegt werden, sich bewegen

Die Rückenlage spricht das Zell-gedächtnis frühkindlicher Erfahrungen im ersten Umgang mit der Erdschwere (Gravitation) nach der Geburt an.

Die Erdschwere kann vom Fötus im Fruchtwasser noch nicht wahrgenommen werden, die Rezeptoren dafür sind allerdings schon vorhanden. Diese fangen an zu arbeiten, wenn nach der Geburt die Erdanziehungskraft wirkt. Diese Ansprache führt zur Entwicklung der Eigenwahrnehmung im Sinne der Tiefdruckverarbeitung (Propriozeption).

Die Beschleunigung stimuliert das Gleichgewichtssystem im Ohr (Vestibulum), das Zentralnervensystem verarbeitet die Impulse.
 

Lesen unter Druck (aber mal anders)

Wer liegt, fällt nicht und muss nur minimale Balancierarbeit auf „höchstem Niveau“ leisten. Das Gleichgewichts-system sitzt sozusagen am fast obersten Punkt der Schwerkraft-Achse.
Druck kann entspannen, der Massage-ball wirkt wie eine Druckmassage (Akupressur) und stimuliert die „tief- liegenden“ sensorischen Systeme. (Gesamtheit der sinnlichen Wahrnehmungs- und Verarbeitungssysteme.)
Dadurch können die kognitiven Willenssteuerungs-Systeme, wie z. B. die Augenbewegung beim Lesen, frei werden, die Augen gehen nach oben (lt. NLP entspricht dies dem Aktivieren der Sehrinde im Großhirn) und bewegen sich fließender von links nach rechts.
 

Lesen beginnt im Uterus !?

   

Minimales Pendeln, Drehen (rechts/links) oder Schaukeln stimuliert das vorgeburtliche Zellgedächtnis und macht dadurch die darauf aufgebauten Systeme freier. Das entwicklungsgeschichtlich frühere System wird „gesättigt“.

Die Kinder spüren, welche Art des Bewegt-Werdens ihnen die angenehmste ist und unter der sie das beste Lesegefühl haben.

Bei der Laut-Lese-Kontrolle im „Lesesack“ stimmen das innere Gefühl des Kindes und die Wahrnehmung von außen häufig überein.

Die Art des Sitzens kann auf die bevorzugte Sitzhaltung im Uterus schließen lassen ….

Lesen wie auf einer Luftmatratze bei leichtem Wellengang

  

Die harte Unterlage des Wipp-Brettes signalisiert dem Körper Spannung und Stabilität ohne große Beanspruchung des Gleichgewichtsorgans während des Lesens (Hilfe zum Ausgleich der Unterspannung, hypotone Muskulatur).

Beim Wipp-Schaukeln: Ein Zeichen für zwei dem Gehirn logisch erscheinende, sich aber widersprechende Eindrucksverarbeitungen, ist die bekannte Seekrankheit (Kinetose).

Die leichte Schaukelbewegung auf dem Wipp-Brett integriert das System der Zusammenarbeit von Augenmuskelbewegung und Gleichgewicht.

Die Zentrale dafür ist lokalisiert im Gehirn auf der sog. 4-Hügel-Platte, die anatomisch betrachtet exakt in der Kreuzungslinie Auge/Ohr liegt.

Lesen auf dem Varussell ...

 

Beim Lesen sitzt der Körper normalerweise still, die Augen müssen sich bewegen. Bei nicht voll entwickelter willentlicher Blick-steuerung führt das zu Lesestress mit sehr verschiedenen Auswirkungen …

Die Umkehrung:
Liegt der Lesetext vor dem Kind auf dem Boden und wird beim Lesen mit ruhig gehaltenem Kopf fixiert, bewegt sich der Körper quasi unter den Augen weg. Während das Gleichgewicht des Kindes stimuliert wird, ist die willentliche Blicksteuerung weitgehend auf einen Punkt konzentriert.  Das kann für die Augenmuskeln entstressend wirken, die Augen „laufen frei“ bis in die äußersten Schielbereiche hinein …

Lesen, ohne die Augen zu bewegen?

Wird ein Gegenstand vor einen pendelnden Lesesack gehalten und dieser Gegenstand fixiert, bewegt sich der Körper unter den Augen hin und her, die Augen werden passiv geführt, nur das Gleichgewichtsorgan muss aktiv arbeiten ...

Dies kann besonders den Kindern helfen, die Schwierigkeiten haben, mit den Augen zu fixieren oder/und gezielte Blickbewegungen durchzuführen, wenn die Augen „flattern“ … (Nystagmus = Augenwackelbewegung)
 

Die notwendige Ruhe vor dem nächsten Schritt

Eine durch starke Reizung erzielte sättigende Stimulation der korrespondierenden Sensorik und Motorik beim Lesen ruft förmlich nach einer Ruhephase, damit der Reiz verarbeitet werden kann.  

Jeder Reiz wird vom Körper mit Wachstum der sensiblen und der motorischen Nervenfasern beantwortet. Dies ist die Übungs- und Entwicklungsphase.

Ziel ist die Automatisierung im zu beherrschenden Prozess. Dann läuft das Lesen automatisch ab. Die dafür anfänglich noch „dünnen“ Nervenbahnen sind nun zur „Autobahn“ geworden, ohne Verzögerung oder Stau ...

Zum Vergleich denken Sie bitte an den Schwimmenlern-Prozess und das Fahrrad- oder das Autofahren-Lernen.

Die sprachliche Selbstkontrolle wird bei gleichzeitiger Gleichgewichtsansprache effektiver

   

Alfred Tomatis: "Jeder Gleichgewichtsvorgang ist auch ein Hörvorgang"

Auf der psychischen Ebene kann einen das Gehörte auch „umhauen“, also aus dem Gleichgewicht bringen.

Das laute Lesen stimuliert die körperliche Eigen-schwingung über die Knochenleitung. Durch die Luftleitung schwingt auch das Trommelfell (Schall). Ein gezieltes und sensibles Bewegt-Werden hilft dabei. Es erinnert an die Phase der akustischen Selbstverortung im Raum (Sprachlernphase, Krabbelphase).

Das Phänomen der "nicht erkannten eigenen Stimme" kennen wir vom Tonband her: Andere Menschen kennen den Schall unserer Stimme, wir so nicht, weil wir sie vorwiegend über die Knochenleitung hören. Und die ist einzigartig, wie ein "Fingerabdruck der Stimme".

Spüren einer Erinnerung, Erinnern eines Spürens

 

David Chamberlain: Seine Forschungen haben gezeigt, dass selbst Kleinkinder ein Geburtsgedächtnis besitzen.

Gerald Hüther spricht von der Prägung in der Schwangerschaft und während der Geburt als Basis für das spätere Leben.

Jean Ayres hat die „Bausteine der Kindlichen Entwicklung“ bereits 1979 beschrieben und benennt die Basisfunktionen als elementar für die senso-motorische Verarbeitung.

Jaap van der Waal spricht von der prä- und postnatalen Prägung und davon, dass alle Entwicklung darauf aufbaut.

Wir konnten beobachten, dass Kinder die Mangel vermeiden oder extrem lieben. Wenn wir dabei an ein ursprüngliches Reizerleben denken. Ein Nachdenken lohnt.

Mangelgefühl einmal anders

 

Die Tiefdruckwahrnehmung (Propriozeption) und die zelluläre Erinnerung (Epigenetik) daran sind der Schlüssel für das Basisgefühl: „Es gibt mich, ich bin da, ich habe es geschafft!“ Auch so kann auf Kinder „Druck ausgeübt“ werden.

Mit diesem Gefühl geht es an die Lesestation.

Auf der psychischen Ebene ist es manchmal besser, sich selbst ausgesucht zu mangeln und dies freiwillig so oft wie möglich, als später im Leben gezwungenermaßen gemangelt zu werden … 
(sooft andere meinen, dies tun zu müssen …)

Das Zellgedächtnis ist intelligenter als mancher glauben mag

Ein Kind ganzheitlich, also in der Jetzt- und der zeitlichen Entwicklungsphase dort abzuholen, wo es steht, ist nicht immer einfach, weil die exakte Kenntnis oft fehlt.

M. Feldenkrais: Noch nicht entwickelte oder auf dem Entwicklungsweg verloren gegangene senso-motorische Koordination lassen sich entwickeln oder wiedererlangen, wenn die grundlegenden Erfahrungen vermittelt werden.

Die funktionale Vielfalt der Angebote im Bewegungsraum gibt den Kindern die Chance – nur auf ihre eigene Person bezogen – sich das (R)Echte auszusuchen, was der Förderung dienlich ist. Das Zellgedächtnis steuert.

Lateral-Ansprache

   

Die Kreuzung von Armen und Beinen spricht die vestibulär gesteuerte Muskelhalte- und Balancierarbeit auf der jetzt „falschen“ (contralateralen) Seite an. Das erfordert hohe Konzentration.

Der Blick ins Innere, (Introspektion) gelenkt auf die Balancierarbeit, reflektiert die Eigenwahrnehmung und knüpft – auf die eigene Lebens-geschichte bezogen – an die Phase des Noch-nicht-lateralisiert-Seins an.

In der frühkindlichen Entwicklung ist hier eine Basiskompetenz für das Lesen gelegt worden: Ohne eine Rechts-Links-Festlegung wird’s schwierig ...

Wer sich „ausgetobt“ hat, kann sich innerlich besser (kon-)zentrieren

Die Erfahrungen der „Inneren Wanderung“ lassen sich nutzen, um Bewegungsmuster, wie z. B. beim Schwimmen, Springen, Schreiben nachzuspüren oder vorzuerfahren (mentales Antizipieren).

Die Erfahrungen der „Inneren Wanderung“ sind hilfreich für das Schulen der eigenen und fremden Empfindungswahrnehmungen und aktivieren die Spiegelneurone.

Die Bedeutsamkeit dieser Spiegel-neurone für die ersten Empfindungen des Babys ist durch die Hirnforschung erkannt worden. Sie prägen die Neurone schon im Mutterleib.

Das Ganze im Raum

  

Dadurch, dass jedes Kind sich seine Wohlfühl-Station aussuchen kann, ist ein hohes Maß an individueller Ansprache und damit (Selbst)-Förderung möglich.

Sich selbst zu fördern heißt auch, sein Selbst zu fördern.

Fazit:

Und wenn Ihnen jemand sagt:

„Es wächst sich raus …“

Es wächst …

und wächst …

und wächst …

aber sich nicht raus …